Etymologie
Der Name Rauchobsidian ist zusammengesetzt aus dem deutschen Wort Rauch, das die rauchig-braune bis graubraune, durchscheinende Tönung beschreibt, und Obsidian. Der Gattungsname Obsidian geht auf das lateinische obsidianus (lapis) zurück, das bei Plinius dem Älteren überliefert ist; nach seiner Darstellung soll ein gewisser Obsius (oder Obsidius) das vulkanische Glas in Äthiopien entdeckt haben. Die heute übliche Form mit -d- beruht wahrscheinlich auf einem alten Lese- beziehungsweise Druckfehler: Ältere Lesarten geben obsianus lapis und Obsius, während sich die geläufige Form obsidianus durch Verschreibung — möglicherweise in Anlehnung an lateinisch obsidium („Belagerung“) — durchsetzte. Der Bestimmungsteil Rauch ist ein reiner Farbname und kennzeichnet keine eigene mineralogische Art, sondern eine getönte Varietät des Obsidians. In der Überlieferung gelten Obsidiane allgemein als Schutzsteine; der Name selbst ist antiken Ursprungs und beschreibend-personengebunden.
Überlieferung & Mythos
Rauchobsidian ist ein vulkanisches Glas mit rauchig-durchscheinender Tönung; wie alle Obsidiane entsteht er aus rasch erstarrter Lava. In der Überlieferung gelten Obsidiane allgemein als Schutzsteine.
Herleitung
Die überlieferte Wirkung des Rauchobsidians leitet sich vor allem aus seiner rauchig-dunklen, braunschwarzen Färbung und seiner Herkunft als vulkanisches Glas ab. Nach der alten Sicht galten dunkle, erdverbundene Steine als abschirmend und bewahrend; das gedämpfte, rauchige Schwarz wurde als ruhiger Schutz gedeutet, der nicht abweist, sondern sammelt und hält. Wie alle Obsidiane entsteht er aus rasch erstarrter Lava, weshalb sich die für diese Steingruppe überlieferte Rolle als Schutzstein auch auf ihn überträgt; aus dieser Verbindung erklärt sich, dass man ihm in der Überlieferung eine schützende, erdende und das Belastende lösende Wirkung zuschrieb und ihn mit Halt, Standfestigkeit und einer ruhigen Selbstbehauptung verband. Sein kräftiger Erdanteil unterstreicht diese verankernde Deutung, während der maßvolle Feueranteil eine verhaltene Wärme und sachte Impulse zur Selbstbehauptung beiträgt. In der modernen Steinkunde wird der Rauchobsidian weiterhin überwiegend als sanfter, erdender Schutzstein gedeutet.
Chakren
Elemente
+ −

nachtladend
Der Rauchobsidian wird in seiner Elementverteilung vom Element Erde beherrscht, das ihm seine geerdete, beständige und schützende Note verleiht. Ergänzend wirkt das Element Wasser ausgleichend mit, gefolgt von einem feurigen Anteil, der ihm eine wehrhafte Kraft gibt, während das Element Luft am stärksten zurücktritt. Aufgrund des hohen Erdanteils empfiehlt es sich, den Stein während der Nachtstunden aufzuladen. Über die Elemente Erde und Wasser üben in der Nacht besonders die Venus, der Saturn und der Mond ihren Einfluss aus, während am Tag über das Element Luft der Merkur hinzutritt. Die Polarität wird aufgrund des vorherrschenden Erdcharakters weiblich und negativ gewertet.
Feuer: Mit seinem moderaten Feueranteil trägt Rauchobsidian eine verhaltene Wärme. Er gibt sachte Impulse zur Selbstbehauptung, ohne zu überhitzen.
Luft: Sein geringer Luftanteil macht Rauchobsidian eher zum Stein der Tat als des Denkens; analytische Schärfe ist nicht seine Stärke.
Wasser: Der spürbare Wasseranteil verbindet Rauchobsidian mit der Gefühlswelt. Er hilft, Belastendes loszulassen und das Innere zu klären.
Erde: Durch seinen kräftigen Erdanteil verankert Rauchobsidian fest im Körper. Er gibt Schutz, Halt und eine ruhige, gesammelte Ausstrahlung.
Entstehung & Vorkommen
Rauchobsidian ist eine rauchbraun bis graubraun durchscheinende Varietaet des Obsidians, eines natuerlichen vulkanischen Glases. Es entsteht, wenn silikatreiche (rhyolithische bis dazitische) Lava mit einem SiO2-Gehalt von typischerweise ueber 70 Prozent so rasch abkuehlt, dass eine Kristallisation weitgehend unterdrueckt wird und ein amorpher Festkoerper erstarrt. Die rauchige Faerbung geht in der Regel auf feinst verteilte Eisenoxid-Mikrolithe (Magnetit, Haematit) beziehungsweise auf den Oxidationszustand des Eisens in der Glasmatrix zurueck[1].
Die Bildung erfolgt an oder nahe der Erdoberflaeche im Zuge sauren Vulkanismus, vorzugsweise an Lavadomen und an den Raendern rhyolithischer Lavastroeme, wo der Waermeentzug am schnellsten ist. Weil natuerliches Glas thermodynamisch metastabil ist, entglast aelterer Obsidian mit der Zeit; geologisch junge vulkanische Einheiten liefern daher die besten Vorkommen. Im zentralen Mittelmeerraum zaehlen die Insel Lipari (Aeolische Inseln, rund 30 km noerdlich von Sizilien) und Pantelleria zu den klassischen, bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzten Obsidianquellen[2]. Weitere bedeutende Liefergebiete liegen in vulkanisch aktiven Regionen wie Mexiko, dem Westen der USA, Island und der Tuerkei.
Aussehen & Eigenschaften
Rauchobsidian ist eine rauchbraun bis graubraun durchscheinende Varietaet des Obsidians und gehoert damit zu den natuerlichen vulkanischen Glaesern. Wie alle Obsidiane besitzt er kein Kristallsystem: Die rasche Abkuehlung silikatreicher Lava unterdrueckt eine geordnete Gitterbildung, sodass ein amorpher, glasartiger Festkoerper erstarrt (System: amorph). Chemisch handelt es sich um ein SiO2-reiches Vulkanglas mit Beimengungen von Al2O3, Eisenoxiden (FeO/Fe2O3) sowie Alkalien (K2O, Na2O). Die rauchig-braeunliche Faerbung und die nur teilweise Durchsichtigkeit gehen weniger auf einzelne chromophore Ionen als auf feinst verteilte Mikrolithe und Eisenoxide in der Glasmatrix zurueck; der Oxidationszustand des Eisens (Fe2+/Fe3+) und die Lichtstreuung an mikroskopischen Einschluessen bestimmen den Farbton. In Obsidianen treten zudem haeufig spherulitische Einschluesse von Quarz und Feldspat auf, die als kleine, kugelige Aggregate erkennbar sind[1].
Physikalisch verhaelt sich Rauchobsidian wie ein Glas: Die Mohshaerte liegt bei etwa 5 bis 5,5, die Dichte im Bereich von rund 2,35 bis 2,5 g/cm3. Eine Spaltbarkeit fehlt vollstaendig; stattdessen bricht das Material muschelig (konchoidal) und bildet sehr scharfe Kanten - ein Verhalten, das aus dem ungeordneten Glasnetzwerk resultiert und das den Werkstoff bereits in vorgeschichtlicher Zeit fuer die Klingenherstellung attraktiv machte. Der Glanz ist glasartig (vitreus), die Strichfarbe weiss bis grau. Die Transparenz reicht je nach Dicke und Einschlussdichte von durchscheinend (in duennen Partien rauchbraun) bis nahezu opak. Da natuerliches Glas optisch isotrop ist, zeigt es im Gegensatz zu kristallinen Mineralen keine Doppelbrechung[2].
Diagnostisch wird Obsidian vor allem ueber das Fehlen jeglicher kristalliner Ordnung von aehnlich dunklen, aber kristallinen Mineralen abgegrenzt; im Duennschliff bleibt das Glas isotrop und liefert keine Interferenzfarben[2]. Zur Material- und Herkunftsbestimmung haben sich geochemische Verfahren etabliert: Mittels tragbarer Roentgenfluoreszenz (pXRF) lassen sich Obsidiane anhand ihrer Spurenelementgehalte (u. a. Rb, Sr, Y, Zr, Nb) sowie ueber das Verhaeltnis von Eisen (Fe) zu Rb/Sr einzelnen Lagerstaetten zuordnen[3]. So sind etwa die peralkalinen Glaeser von Pantelleria an ihrem deutlich hoeheren Eisengehalt und einem charakteristischen gruenlichen Stich erkennbar, waehrend die Obsidiane von Lipari ueberwiegend schwarz bis grau erscheinen und kleine spherulitische Einschluesse fuehren[4]. Eine Abgrenzung gegenueber dunklen Glaesern kuenstlicher Herkunft gelingt ueber die chemische Signatur und das Einschlussinventar.
| Formel |
SiO2-reiches Vulkanglas |
| Mineralklasse |
4 |
| Kristallsystem |
amorph |
| Mohshärte |
5-5,5 |
| Dichte |
2.35-2.5 |
| Spaltbarkeit |
keine (muschelig) |
| Bruch |
|
| Strichfarbe |
weiß |
| Farbe/Glanz |
Glasglanz |
Manipulation & Imitation
Rauchobsidian ist eine durchscheinende, rauchig-graue bis braeunliche Varietaet des Obsidians, eines natuerlichen vulkanischen Glases (rasch erstarrte, kieselsaeurereiche Lava). Als amorphes Glas wird Obsidian praktisch nicht im ueblichen Sinn "veredelt" - es gibt kein Brennen, Bestrahlen oder Traenken wie bei kristallinen Steinen. Die schmueckenden Effekte mancher Varietaeten (etwa Schiller bei Regenbogen- oder Silberobsidian) beruhen auf feinsten natuerlichen Einschluessen und werden nicht kuenstlich erzeugt[1].
Die eigentliche Manipulationsfrage betrifft daher die Nachahmung: Weil Obsidian selbst ein Glas ist, laesst er sich besonders leicht durch kuenstliches Glas ersetzen. Dunkel gefaerbtes Industrieglas ist das haeufigste Imitat und nach dem Polieren kaum vom Naturprodukt zu unterscheiden[1]. Auch glasige Schlacke aus der Metallverhuettung (als "Schlacken-Obsidian" gehandelt) wird oft verwechselt[2]. Kraeftig blaue, gruene oder rote "Obsidiane" sind nahezu immer eingefaerbtes Kunstglas, da solche Farben in der Natur kaum vorkommen[2]. Daneben wird gefaerbter schwarzer Onyx (Chalcedon) als Obsidian ausgegeben[1].
Zur Unterscheidung hilft die Lupe: Kuenstliches Glas enthaelt oft runde Gasblaeschen, waehrend natuerliche Blaeschen im Obsidian gestreckt oder lagig angeordnet sind und die Fliessstrukturen ruhig und gerichtet verlaufen, nicht chaotisch wie in Schlacke[1][2]. Der Brechungsindex des Obsidians liegt bei etwa 1,48 bis 1,51 und trennt ihn von Chalcedon (Onyx) und anderen kristallinen Nachahmungen; gefaerbter Onyx zeigt zudem unter Vergroesserung eine parallele Baenderung statt eines muscheligen Glasbruchs[1].